Angst vor der Entbindung

Angst ist ein normales Gefühl, das als Ziel hat, uns zu schützen. Wir bekommen Angst, wenn wir vor einer uns unbekannten Situation stehen. Einer Situation, wie eine bevorstehende Geburt. 

Ich kann mich erinnern, dass ich auch Angst hatte, als ich schwanger war. Ich hatte das Gefühl, ich fahre in einem Zug in Richtung Unbekannt, aus dem ich nicht aussteigen kann. Ich entschied mich damals, dass es mir nicht hilft, Angst zu haben und – am besten tue ich etwas dagegen. Was ich damals machte, verrate ich unten, zusammen mit Tipps, die ich einem Fachbuch für Hebammen entnommen habe.

Aber zunächst reden wir darüber, warum es wichtig ist, Ängste zu verarbeiten. Emotionen, die man ignoriert / unterdrückt, kommen irgendwann wahrscheinlich wieder hoch.

–  Vor dem Entbindungstag: Monatelange Angst kann auf physischer Ebene wirklich sehr ermüdend sein.

–  Am Entbindungstag: Während einer Entbindung sollte sich der Beckenboden dehnen, um die Geburt zu erlauben. Dafür setzen wir die tiefe Bauch- Atmung ein. Aber übermäßige Ängste können zu Stress führen. Stress verursacht eine Veränderung der hormonellen Lage und du landest im Flucht- oder Kampf- Modus. Dein Atem wird schneller und flach. Das führt zu noch mehr Anspannung und es wird dann noch schwieriger mit dem Schmerz, der von den Wehen kommt, umzugehen. Das erhöht noch zusätzlich die Anspannung

Deshalb ist es am besten, man setzt sich mit den Ängsten auseinander, bevor man in die Entbindung geht.

Ängste sollte man nicht ignorieren oder unterdrücken. Man sollte sie eher entkräften. Aber wie?

Tipp 1: Rede über deine Ängste mit deiner Hebamme und / oder mit jemandem, dem du sehr vertraust.

Ängste können viele Gründe haben. Eine Hebamme kann dir helfen, den Prozess der Geburt besser zu verstehen und deine Ängste zu entkräften. Und wenn sie es nicht kann, dann kann sie dir bestimmt einen Rat geben, mit wem du dich weiter darüber unterhalten solltest.

Manchmal hilft es, dass man die Ängste mit jemand Vertrautem teilt. Jemand, der unsere Ängste ernst nimmt und uns bestärkt.

Tipp 2: Bei Angst vor Unbekanntem (der Entbindung selbst) könnte es dir helfen, dich zu informieren.

Aber bitte nicht durch (Horror-) Geburtsberichten auf You-Tube. Denn nachdem man sich so ein Video angeschaut hat, bekommt man wahrscheinlich Angst, auch wenn man davor keine hatte. Auf You-Tube gibt es viele gute Informationen von Fachleuten. Suche nach Videos, die zum Beispiel von Hebammen gedreht wurden. Ich habe am Ende dieses Beitrags ein paar nützliche Videos über den Verlauf von Geburten verlinkt. Die Hebammen, welche diese Videos gedreht haben, bieten dabei auch andere interessante Informationen zur Vorbereitung.

Am besten besuchst du einen Geburtsvorbereitungskurs bei einer Hebamme in deiner Nähe. In diesen Kursen werden dir alle möglichen Dinge rum um die Geburt erklärt. Ich habe eine You-Tuberin gehört, die der Meinung ist, diese Art Kurse würden sich nicht lohnen. Ich kann nur vom Gegenteil berichten. Die Hebamme wird dir etwas über die Anatomie des Beckens erklären, was während einer Geburt passiert, was du alles in deine Tasche packen solltest, wie du deine Matratze schützt, die Anzeichen, wann die Geburt losgeht, wann du einen Krankenwagen benötigst, welche Entbindungsmöglichkeiten es vor Ort gibt, wie du die Atmung einsetzt und noch vieles mehr. Und, du hast die Möglichkeit, deine Fragen loszuwerden. Ein Geburtsvorbereitungskurs lohnt sich auf jeden Fall!

Es hilft auch gegen die Angst, wenn du schon vorher weißt, wie eine Geburt üblicherweise verlaufen kann und welche typischen Abweichungen eintreten könnten. Weil du dann nicht überrascht wirst, lässt es sich besser damit umgehen. Bestes Beispiel: Jede normale Geburt könnte mit einem Kaiserschnitt enden. Also treffe Vorbereitungen – auch für den Fall eines Kaiserschnitts. Es ist so wie Auto fahren. Wir haben immer einen Ersatz- Reifen dabei für den Fall, dass wir einen Platten haben. Wer schon darauf vorbereitet ist, bekommt keine Panik, wenn das Auto einen Platten hat. Ich sage es aus eigener Erfahrung, da ich selbst nach einem Geburtsstillstand per Kaiserschnitt entbunden habe.

Deine Begleit- Person sollte auch darüber informiert sein, wie eine Geburt verlaufen kann, damit diese Person auch ruhig bleiben kann.

Tipp 3: Bei der Angst vor Schmerzen könnte es dir helfen, zu wissen, welche Methoden der Schmerzlinderung zur Verfügung stehen. Die Palette an schmerzlindernden Maßnahmen ist groß! Es fängt mit so etwas Einfachem an wie einer warmen Kompresse auf dem Rücken, einem heißen Kakao, ein Bad in der Wanne, eine Massage des unteren Rückens und geht weiter über die Komplementär- Medizin (z.B. Akupunktur, Quaddeln, Fuß- Massage) bis hin zu Medikamenten und klar – die wohl- bekannte PDA. Welche Möglichkeiten es gibt und wann diese während der Geburt eingesetzt werden können bzw. dürfen, erfährst du bei deiner Hebamme oder direkt am Entbindungsort.

Tipp 4: Nimm vorher Kontakt mit dem Entbindungsort auf (besuche diesen, wenn möglich).

Jeder Entbindungsort hat seine eigene Philosophie. Es hilft, zu wissen, was man erwarten kann und wie der Ort aussieht. Aber Corona hat alles auf dem Kopf gestellt. Früher gab es Besichtigungen vor Ort und man konnte alle Fragen auf einmal loswerden. Heutzutage gibt es bei manchen Kliniken die Möglichkeit, den Kreißsaal online kennenzulernen.

Tipp 5: Vertraue auf die Fachkräfte. Die Fachkräfte sind dafür da, um dir zu helfen. Die Fachkräfte sind gut vorbereitet und haben schon vielen Frauen geholfen.

Tipp 6: Vertraue deinem Körper. Erlerne und übe das Atmen, das du brauchst, um durch die Wehen der Eröffnungsphase zu gehen. Diese Art der Atmung lernst du in einem Geburtsvorbereitungskurs bei der Hebamme deines Vertrauens oder bei mir im MamaWorkout- Kurs.

Und was habe ich gemacht?

Jedes Mal, wenn die Ängste auftauchten, wiederholte ich: Andere (ich dachte dabei an Frauen aus meiner Familie und an Freundinnen, die schon Kinder hatten) haben es auch geschafft, also werde ich es auch schaffen! Für mich war es damals hilfreich, positiv zu denken, mich auf Atem- Übungen zu konzentrieren und über so viel wie möglich zu informieren.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen. Falls du andere Tipps hast, schreib sie doch bitte in die Kommentare unten. Wenn es eine Häufung der gleichen Kommentare / Tipps gibt, dann werde ich den Beitrag erweitern!

Für diesen Beitrag habe ich folgendes Buch zur Unterstützung gehabt:

Geburtsarbeit. Hebammenwissen zur Unterstützung der physiologischen Geburt. 2013, 2. Auflage, Hippokrates Verlag.

 

 

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